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Schulterinstabilität - Schulterluxation

 

Inhalt


 

Allgemeines

Sie leiden an wiederkehrenden Verrenkungen des Schultergelenkes. Die Gelenkinstabilität kann eine unfallbedingte Verletztung des Kapsel-Band-Apparates als Ursache haben oder sie tritt spontan anlagebedingt auf. Am häufigsten luxiert die Schulter dabei nach vorne. Durch die wiederholten Verrenkungen können Begleitverletzungen, z.B. am Oberarmkopf und an der Muskelmanschette entstehen. Die klinischen Symptome, wie Unsicherheits- und Instabilitätsgefühl und Schmerzen bei bestimmten Bewegungen des Armes sind typisch. Heute ist es möglich, in den meisten Fällen die Schulterluxation arthroskopisch zu operieren. Kann durch die arthroskopische Operation aufgrund von ausgedehnten knöchernen Veränderungen keine Stabilität des Schultergelenkes erreicht werden, so besteht die Möglichkeit der offenen Gelenkoperation.


Behandlungsprinzip

Das Innere des Schultergelenkes wird mit einem Arthroskop sichtbar gemacht und das Bild auf einem Fernsehmonitor übertragen.


Gelenkspiegelungsbild einer abgelösten Gelenkkapsel am vorderen Pfannenrand der Schulter

 

Die abgelöste vordere Kapsel im Schultergelenk wird mit einer Nahtzange gefasst und es werden Fäden hierdurch gelegt. Zur besseren Einheilung ist hierzu eine Anfrischung des Knochens am vorderen Pfannenrand erforderlich. Die Befestigung am knöchernen Pfannenrand erfolgt meist mit Mikroankern aus Stahl, Titan, Kunststoff oder Materialien, die sich im Zeitverlauf auflösen. Welches Material ausgewählt wird entscheidet der Operateur während der Operation je nach Situation der Kapselablösung, Gewebe- und Knochenbeschaffenheit.


Gelenkspiegelungsbild mit Fäden und Nahtzange im vorderen Kapselbereich der Schulter (Blick von hinten)

 

Auch bei den verwendeten Fäden muss der Operateur, je nach Situation, zwischen selbstauflösenden und dauerhaft stabilem Fadenmaterial auswählen. Die Operation wird in Seitenlage durchgeführt und Ihr Arm in einem sog. Schulterhalter gelagert. Die Operationsdauer beträgt in der Regel ca. 1-1,5 Stunden.

Gelenkspiegelungsbild mit liegenden Fäden nach Befestigung der vorderen Kapsel eines Schultergelenkes (Blick von oben)


Nachbehandlung

Es handelt sich bei diesem Eingriff um eine Kapsel-Bandoperation im Schultergelenk, die verhindern soll, dass die Schulter wieder auskugelt. Die Kapsel und Bänder müssen jedoch anwachsen und brauchen Zeit zur Heilung. Dieses ist der Grund dafür, dass Ihre Schulter für 3-4 Wochen im sogenannten Gilchrist-Verband ruhiggestellt wird und eine krankengymnastische Betreuung erforderlich ist (näheres siehe Nachbehandlungsprogramm Schulterluxation). Die Schmerzen nach der Operation sind gering.

Ergebnisse

Das kosmetische Ergebnis ist ausgezeichnet, da die Schulter nicht aufgeschnitten werden musste. Unsere bisherigen Ergebnisse mit arthroskopischen Operationen am Schultergelenk sind sehr gut, ernsthafte Komplikationen sind bisher nicht aufgetreten.

Offene Gelenkoperation

Operationstechniken

Ist es aufgrund der Schulterluxation nach vorne zu einem knöchernen vorderen Pfannenranddefekt (knöcherne Bankart-Läsion) gekommen und aufgrund dessen die Führung des Oberarmkopfes durch die Gelenkpfanne nicht mehr ausreichend gegeben, so wird dieser knöcherne Pfannenranddefekt entweder mit einem schultergelenksnahen Knochen (Processus coracoideus, Operation nach Bristow Latarjet) oder mit einem Knochenspan (Operation nach Resch) entnommen vom patienteneigenen Beckenkamm wieder aufgebaut.

Schematische Darstellung eines knöchernen Aufbaus bei vorliegendem vorderen Pfannenranddefekt bei vorderer Schulterluxation, Schulter rechts

Kommt es zu einer Luxationsrichtung nach hinten, so wird der Knochenspan entsprechend am hinteren Pfannenrand (Operation nach Neer), an der Stelle des knöchernen Defektes fixiert. Durch diese Knochentransfers wird die Schultergelenkspfanne in ihrem Durchmesser den ursprünglichen Ausmaßen wieder angenähert. Des Weiteren wird durch einen vorderen oder hinteren Knochenvorsprung das Herausspringen des Oberarmkopfes eingeschränkt.

Ebenfalls wird durch eine vordere oder hintere Raffung der Gelenkkapsel (entsprechend der vorliegenden Luxationsrichtung) die weichteilige Führung des Oberarmkopfes in der Gelenkpfanne verbessert.

Schematische Darstellung einer vorderen Gelenkkapselraffung bei vorderer Schulterluxation, Schulter rechts

Ist es durch die Luxation des Schultergelenkes zu einem knöchernen Defekt im Bereich des Oberarmkopfes (Hill Sachs Delle) gekommen, der in einer bestimmten Gelenkposition als Hypomochlion (Hebelarm) verstärkend auf ein erneutes Herausspringen des Oberarmes aus der Gelenkpfanne wirkt, so sollte dieser knöcherne Defekt aus seiner ursprünglichen Position herausgedreht werden, um erneute Luxationen zu vermeiden. Diese Positionskorrektur erfolgt durch ein knöchernes Korrigieren des Oberarmknochens, Drehen (Rotation) in die gewünschte Position mit anschließender Fixierung des Knochens mittels Platte und Schrauben in der korrigierten Stellung (Rotationsosteotomie nach Weber).

Schematische Darstellung einer Rotationsosteotomie des Oberarmknochens (nachfolgend fixiert mit einer Platte und Schrauben), Schulter rechts

Nachbehandlung

Sowohl bei dem Anschrauben von Knochenspänen (knöcherne Apposition) am Pfannenrand als auch bei der Positionskorrektur des Oberarmknochens ist eine sechswöchige verminderte Belastbarkeit des operierten Schultergelenkes gegeben. Innerhalb dieser sechs Wochen nach der Operation kommt es zur knöchernen Heilung. Je nach zusätzlicher Weichteilkorrektur (Kapselplastik, Muskeltransfer) ist eine Einschränkung der Beweglichkeit, vornehmlich für das Außendrehen und das Abspreizen des Oberarmes erforderlich, ggf. vorübergehende Ruhigstellung des operierten Armes auf einer Spezialschiene (Thoraxabduktionsschiene, Briefträgerkissen) oder mit einem speziellen Verband (Gilchristverband, Desaultweste) in der gewünschten Position. Dieses wird patientenindividuell von Fall zu Fall entschieden. Während dieser Phase werden Sie im Rahmen des empfohlenen Bewegungsausmaßes durch intensive krankengymnastische Betreuung nachbehandelt.