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Hüftkopfnekrose

 

Inhalt


 

Allgemeines

Als Hüftkopfnekrose bezeichnet man eine Durchblutungsstörung im Hüftkopfbereich. Die Durchblutung des Hüftkopfes ist primär kritisch. Bei der Unterbrechung der kritischen Blutzufuhr durch ein Trauma oder durch einen erhöhten Druck im Gelenk (z. B. Gelenkerguß) oder durch eine Entzündung kann es zu Durchblutungsstörungen (aseptischen Nekrosen) im Bereich des Hüftkopfes unterschiedlichen Ausmaßes kommen. Der Grund dieser Durchblutungsstörung ist nicht immer ersichtlich. Mögliche Risikofaktoren sind neben dem Trauma, der Entzündung und dem Gelenkerguß, v. a. Stoffewechselstörungen, Alkoholmißbrauch, (länger dauernde) Kortison-Medikation oder eine Zytostatika-Behandlung (Chemotherapie) und Bestrahlungen.

Der vermindert durchblutete Knochenbezirk liegt unmittelbar angrenzend unter dem Gelenkknorpel (subchondral). Ist dieser Bezirk nun nicht mehr vital genug, um die auf ihn lastende Kraft zu tragen, so bricht dieser Knochenbereich des Hüftkopfes ein. Es entsteht eine zunehmende Destruktion/Entrundung des Hüftkopfes.

Die Erkrankung beginnt häufig mit ziehenden Schmerzen in der Leistenbeuge, selten auch mit Schmerzen in Projektion auf das Kniegelenk. Die Schmerzen nehmen zu, v. a. unter Belastung des Beines. Kommt es zu einem Einbruch der Gelenkfläche (Entrundung des Hüftkopfes) kann die Schmerzhaftigkeit zu einer völligen Belastungsunfähigkeit des Beines führen.

Stadien der Erkrankung

Die Erkrankung ist zu Beginn im Röntgenbild nicht zu erkennen. Es finden sich lediglich kleine durchblutungsgestörte Knochenareale, das Stadium I kann daher lediglich in der Szintigraphie, Kernspintomographie oder Computertomographie erkannt werden. Das Stadium II ist gekennzeichnet durch Knochenumbauvorgänge (vermehrte Sklerosierung), dieses ist im Röntgenbild sichtbar. Das Stadium III ist gekennzeichnet durch einen Einbruch der Gelenkfläche, das Stadium IV durch eine vollständige Deformierung des Hüftkopfes bis zur Coxarthrose.

Hüftkopfnekrose im Stadium IV mit eingebrochener Gelenkfläche und Destruktion des Hüftgelenkes, Hüfte links.

Hüftkopfnekrose mit mehr als 50% Ausdehnung, Gelenkfläche noch intakt, Hüfte rechts.

Therapie

Die Therapie ist sowohl von der Ursache der Durchblutungsstörung, vom Alter des Patienten und der Ausdehnung des minderdurchbluteten Bezirks abhängig.

Bei der Osteonekrose im Stadium I ist eine operative Knochenanbohrung in diesem Bereich (Markraumdekompression) die Therapie der Wahl. Dieses führt zum einen zu einer Entlastung des sich in diesem Bereich befindlichen erhöhten Druckes im Knochen und zum anderen wird durch dieses Knochenanbohren ein Reiz gesetzt, der zu einer Neubildung von Blutgefäßen (Neovaskularisation) in diesem Bezirk führen soll, so dass der Hüftkopf wieder besser durchblutet wird. Im Stadium II/III sind den Hüftkopf (v. a. den minderdurchbluteten Bezirk) entlastende Femurkorrekturosteotomien möglich, die unter Umständen zusammen mit Anbohrungen, Umkehrplastiken und Spongiosaauffüllungen des nekrotischen Bezirks durchgeführt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen kann es notwendig bzw. sinnvoll sein, eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) des betroffenen Hüftgelenkes zur Entfernung freier Gelenkkörper und zur Beurteilung der Gelenkfläche durchzuführen. Im Stadium IV mit eingebrochener Gelenkfläche und destruiertem Hüftkopf sowie bei fortgeschrittenem Patientenalter bleibt der künstliche Gelenkersatz die Therapie der Wahl.

Nachbehandlung

Die Operation erfolgt unter stationären Bedingungen. Der stationäre Krankenhausaufenthalt beträgt je nach durchgeführter Operation 2 bis ca. 7 Tage (± 2 Tage). Unabhängig der durchgeführten Operation ist eine Entlastung des operierten Beines mit 10 kg Teilbelastung an zwei Unterarmgehstützen erforderlich. Dieses ist i. d. R. für einen Zeitraum von 8-12 Wochen erforderlich. In dieser Zeit soll sich die Durchblutungssituation im Bereich des Hüftkopfes stimuliert durch die operative Maßnahme erholen bzw. verbessern. Eine Belastung des Hüftkopfes ist in dieser Zeit nicht zu empfehlen. Nach ca. 6 und 12 Wochen nach der Operation erfolgt jeweils eine Kernspintomographie (MRT) zur Kontrolle. Hier können erste Tendenzen der Durchblutungsveränderungen abgeschätzt werden. Im weiteren Verlauf wird unter physiotherapeutischer Anleitung die Vollbelastung aufgenommen. Nach erfolgter Femurkorrekturosteotomie ist eine Teilbelastung mit 20 kg je nach Art und Weise der erfolgten Korrektur zwischen 3 und längstens 6 Wochen notwendig. In der Regel ist nach 6 Wochen postoperativ von einer knöchernen Durchbauung des korrigierten Knochens auszugehen.

Die postoperative Bewegung des operierten Hüftgelenkes ist postoperativ nicht limitiert. Für den Zeitraum der Teilbelastung ist eine Thromboseprophylaxe erforderlich.